Die größte Boulderhalle des Universums – so stand es auf dem Werbeplakat, so propagierte es der Internetauftritt, so ließen die Fotos Hoffnungen aufkeimen.
Entsprechend groß war die Enttäuschung. Groß und hell – und kalt, zumindest hier überschnitten sich Ankündigung und Realität. Der Platz der Halle wurde nur suboptimal genutzt, lange und vorwiegend grade Wände ziehen sich rechts und links über 50 Meter Länge. Lediglich zwei stärker überhängende Wände stehen den Boulderern für effektives Training zur Verfügung. Die angepriesene 50m-Henkeltraverse sucht man vergebens. Die Gestaltung der Halle ist umso enttäuschender, wenn man bedenkt, dass die Erbauer Boulderer sind und bereits zwei Hallen gebaut haben. Auch die Kletterfläche betreffend müssen sie sich beispielsweise hinter den Chemnitzern einreihen. Kleinere Boulderhallen wie in Plauen, Jena und Bouldercity und Boulderbox in Dresden bieten zwar weniger Fläche, dafür eine deutlich liebevollere und kreativere Gestaltung. Positiv zu erwähnen sind die sanitären Anlagen, die im Gegensatz zu vielen anderen Hallen auch Warmwasserduschen bieten.
Auch im Wettkampf wurde kein Fettnapf ausgelassen. Bereits dass 23er-System für Relax und Power-Modus zeigte seine Schwächen mit lediglich 5 Frauen, die sich in die Boulder ab 6a trauten. Man hatte sich Gerion aus Dresden zum Schrauben eingeladen, ihn leider aber nur die Finals basteln lassen, die dann wirklich gut gelungen waren. Einfallslos und wenig kreativ war der Tenor über die Boulder sowohl im Relax- als auch im Powermodus. Vor allem die schweren Boulder waren alle im gleichen Stil (kleine Griffe, weite Züge) geschraubt. Einige Boulder waren nach wenigen Stunden nicht mehr kletterbar – zum einen, weil man Billiggriffe verwendet, zum anderen wegen elementarer Fehler beim Schrauben. Trotz noch vorhandenem Platz überschnitten sich etliche Boulder und führten zu Warteschlangen. Das Finale wurde ohne Isolation durchgeführt und der Beste aus der Qualifikation musste zuerst klettern – Vorteil aus der Quali und Spannung für die Zuschauer waren dahin.
Die Chance eine wirklich tolle Boulderhalle mit grandiosem Standortvorteil zu bauen wurde restlos vergeben.
Die Boulderboxler mussten sich im Wettkampf diesmal einer wirklich starken Konkurrenz geschlagen geben. Im Power-Modus fand sich Anne Röhle nur auf Platz 5, Jürgen Schmeißer wurde nur 18. Marcus Windisch landete auf Platz 4o, Jan Liebnitzky auf 59. Lediglich Jan Pfeiffer konnte mit Platz 25 zufrieden mit seiner Leistung sein. Philipp Jäger startete im Relax-Modus und boulderte auf Platz 42.
Fazit: Wenn man mal in Berlin ist, kann ein Besuch nicht schaden, leider nur um festzustellen, dass die Sachsen in Sachen Kletterhallen immer noch die Nase vorn haben.